Paschtunen

Als die pakistanische Regierung im Swat-Tal die Scharia zuließ, brachen viele Menschen in Jubel aus. Warum? Weil sie zum einen hoffen, dass damit die grausamen Kämpfe ein Ende finden werden. Zum anderen haben die Behörden Sufi Mohammed, den historischen Führer der TNSM, freigelassen. Er vertritt eine – jedenfalls nach der Einigung mit der Regierung in Islamabad – mildere Variante der Scharia als sein Schwiegersohn. Sie sieht keine Enthauptungen vor, keine abgehackten Hände, kein Arbeitsverbot für Frauen und auch nicht das Verbot zu studieren. Alles in allem ist Sufi Mohammeds Scharia vom Paschthunwali, dem Stammesrecht der Paschtunen, durchwirkt. Dabei handelt es sich gewiss nicht um ein rechtsstaatliches System im westlichen Sinne, doch gibt es den Menschen zumindest eine Form von nachvollziehbarer, akzeptierter und wirksamer Rechtsprechung.

Bei Frühstück in Jalalabad gibt es einige Mullahwitze, aus dem Munde eines paschtunischen Afghanen. Zum Beispiel: Ein Mullah fällt ins Wasser, ist am Ertrinken, da eilt ein Mann zu Hilfe und ruft: „Gib mir deine Hand, gib mir deine Hand!“ Doch der Mullah ergreift die Hand nicht und ertrinkt. Der erfolglose Retter erzählt die Geschichte im Dorf. Dort sagt man ihm: „Nicht GIB mir die Hand hättest du rufen sollen, sondern NIMM meine Hand!

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