Vorratsdatenspeicherung - was tun?
Der Arbeitskreis für Vorratsdatenspeicherung begleitet dieses Gesetzesvorhaben kritisch, mit dem Internetprovider, Webseitenbetreiber und Telefongesellschaften verpflichtet werden, die Verbindungsdaten der Nutzer 6 Monate zu speichern. Der Arbeitskreis gibt aber auch praktische Hinweise, was man tun kann, um anonym zu bleiben. Ganz einfach ist das nicht.
Wir zeigen Ihnen sechs Möglichkeiten, um eine Protokollierung Ihrer Kommunikation zu verhindern. Die Palette reicht von einfachen Maßnahmen bis hin zu technisch anspruchsvollen Lösungen.
1. Löschung und Kürzung verlangen (Festnetz, Handy, VoIP)
Verbindungsdaten, von denen die Rechnungshöhe abhängt (z.B. gewählte Nummern, Anrufzeiten), werden von Festnetz-, Handy, und VoIP-Anbietern zwischen 80 Tage und sechs Monate lang gespeichert. Die meisten Anbieter räumen ihren Kunden zurzeit noch das Recht ein, die Löschung der Verbindungsdaten schon mit Versand der Rechnung zu verlangen. Ein Nachweisrisiko ist damit nicht verbunden, weil man nach wie vor die Zusendung eines Einzelverbindungsnachweises verlangen kann. Daneben können Kunden bei den meisten Anbietern verlangen, dass die von ihm gewählten Rufnummern nur um drei Ziffern verkürzt erfasst werden.
2. Pauschaltarife/Flatrates buchen (Festnetz, Handy, Internetzugang, VoIP)
Anrufe und Verbindungen, die keine zusätzlichen Kosten verursachen, werden von den meisten Anbietern nicht protokolliert. Pauschaltarife/Flatrates verhindern also von vornherein die Speicherung von Verbindungsdaten. Solche Flatrates werden nicht nur für Internetverbindungen angeboten, sondern auch für Anrufe in das Festnetz, in die Mobilfunknetze usw.
3. Anbieter wechseln (hauptsächlich Internetzugang)
Einige Anbieter halten sich nicht an die Vorgabe, dass nur abrechnungsrelevante Verbindungsdaten gespeichert werden dürfen. In diesem Fall hilft nur ein Wechsel des Anbieters. Vergessen Sie nicht, dem Anbieter den Grund Ihrer Kündigung mitzuteilen.
Besonders einige Internet-Zugangsanbieter speichern rechtswidrig, wann ihre Kunden mit welcher IP-Adresse im Internet unterwegs waren. Mithilfe anderer Daten kann so jeder Klick des Nutzers im nachhinein nachverfolgt werden. Insbesondere T-Online und andere Wiederverkäufer der Deutschen Telekom speichern IP-Adressen 7 Tage lang. Datenschutzfreundlichere Anbieter gibt es viele: Lycos speichert IP-Adressen nicht, Freenet speichert sie fünf Tage lang, Hansenet/Alice fünf Tage lang, QSC "wenige Tage" lang. Fragen Sie Ihren Anbieter oder lesen Sie diese Übersicht.
4. Anonym kommunizieren (Handy, Email)
Ihr Name, Anschrift, Geburtsdatum und mehr können von Strafverfolgern, Geheimdiensten, aber auch zur Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten, Schwarzarbeit usw. eingesehen werden. Am sichersten kommuniziert, wer sich schon gegenüber seinem Anbieter nicht identifiziert. Im Mobilfunkbereich machen dies vorausbezahlte Prepaid-Karten möglich, die auf eine andere Person angemeldet sind. Solche Karten können etwa auf Ebay ersteigert werden. Auch einige Händler registrieren Prepaid-Karten auf Wunsch auf ihren eigenen Namen. Bei Emaildiensten findet keine Kontrolle der abgefragten persönlichen Daten statt. Bei der Anmeldung eines Emailkontos muss man die Fragen nach persönlichen Daten also nicht richtig beantworten.
5. Emailspeicherung begrenzen
Wer seine Emails lange im Postfach liegen lässt, ermöglicht anderen den Zugriff darauf. Wählen Sie daher keine zu lange Speicherdauer. Wenn Sie ein Emailprogramm verwenden (z.B. Outlook), können Sie Ihre Emails nach der Übertragung automatisch vom Server des Anbieters löschen lassen. Rufen Sie dazu die Einstellungen Ihres Emailprogramms auf.
6. Anonym surfen
Webseiten, die Sie im Internet besuchen, speichern oftmals jeden Ihrer Klicks und jede Ihrer Sucheingaben auf Vorrat. Besonders US-Anbieter wie Ebay und Amazon bewahren Ihr Surfverhalten zeitlich unbegrenzt in den USA auf und ermöglichen dadurch den dortigen Geheimdiensten den Zugriff auf Ihre Daten. Die folgenden Gegenmaßnahmen stehen Ihnen zur Verfügung:
a) Anmeldung vermeiden
Melden Sie sich auf Internetseiten nur dann mit Benutzername und Passwort an (Login), wenn es unvermeidbar ist. Melden Sie sich sobald wie möglich wieder ab. Ihre Aktionen während der Anmeldung können personenbezogen gespeichert und zu einem Nutzerprofil verdichtet werden. Wenn Sie sich für einen kostenlosen Dienst neu registrieren, geben Sie nicht ihren richtigen Namen/Anschrift an.
b) Cookies löschen
Stellen Sie Ihren Browser so ein, dass er Cookies bei jedem Neustart löscht. Cookies ermöglichen es Webseiten, Sie wiederzuerkennen.
c) Anonymisierungsdienst verwenden
Spezielle Anonymisierungsdienste verhindern, dass Webseiten die von Ihnen genutzte IP-Adresse speichern können. Sie verlangsamen das Surfen allerdings merklich. Kostenlose Dienste sind JAP und TOR. Sehr einfach zu installieren und zu bedienen ist der Browser Torpark, in den der Anonymisierungsdienst TOR bereits eingebaut ist. Eine deutsche Version von Torpark findet sich hier. Schneller als die kostenlosen Dienste, allerdings auch unsicherer, sind kostenpflichtige Dienste wie Relakks, Trackbuster, Steganos und Safersurf (Kommentar: Schlechte Erfahrungen...).
Quelle: Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! - Datenfrei kommunizieren
- Martin Fütterer's blog
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