100 Jahre Simone de Beauvoir

Als Zweitbeste schloss Simone de Beauvoir 1929 ihr Philosophiestudium an der Sorbonne ab - hinter Jean-Paul Sartre. Zeit ihres Lebens stand sie im Schatten des berühmten Lebensgefährten, den sie an der Universität kennengelernt hatte. Dabei musste sie sich keineswegs hinter ihm verstecken: Die Schriftstellerin und Philosophin, die am Mittwoch 100 Jahre alt geworden wäre, zählt zu den Wegbereiterinnen der Frauenbewegung und war zentrale Figur des französischen Existenzialismus.

Schon früh brach die am 9. Januar 1908 geborene Simone de Beauvoir aus ihrem großbürgerlichen Elternhaus - der Vater war Anwalt am Pariser Appelationsgerichtshof - aus. Sie haderte mit der strikten Sexualmoral, die sie in ihrem streng katholischen Zuhause erlebte und strebte nach Unabhängigkeit. «Sie dürstet nach 'männlichen' Freiheiten - im Denken wie im Leben», schreibt Alice Schwarzer, die Simone de Beauvoir persönlich gekannt hat, in ihrem Buch.

Das prestigeträchtige Examen der agrégation in Philosophie bestand Simone de Beauvoir als neunte Frau in Frankreich. Es verschaffte ihr die lebenslange Lehrerlaubnis und damit finanzielle Sicherheit. Um in der Nähe Sartres zu bleiben, begnügte sie sich aber zunächst damit, Privatstunden in Paris zu geben. In den 30er Jahren arbeitete sie dann auch in Marseille und in Rouen, bevor sie 1936 endgültig in die französische Hauptstadt zurückkehrte.

Einen Heiratsantrag von Sartre lehnte de Beauvoir mehrmals ab. Die beiden hatten, kurz nachdem sie sich 1929 kennengelernt hatten, ihren legendären Pakt geschlossen: Danach wollen die beiden füreinander immer an erster Stelle stehen, doch andere nebensächliche Liebesbeziehungen sollen für sie weiter möglich sein. «Es war Sartres Idee, er gab den Takt vor», schreibt Schwarzer. Dass die Gefährtin unter seinen Affären zeitweise litt, zeigt zum Beispiel der autobiografisch gefärbte Roman «Sie kam und blieb» (1943).

Aber auch in Simone de Beauvoirs Leben spielten in den folgenden Jahren immer wieder Dritte eine große Rolle. Mit dem amerikanischen Schriftsteller Nelson Algren verband sie in den Jahren 1947 bis 1951 eine leidenschaftliche Liebesbeziehung; von 1952 bis 1958 war sie mit dem späteren Filmemacher Claude Lanzmann (»Shoah») zusammen. Zu Frauen unterhielt de Beauvoir ebenfalls Beziehungen. Eine ihrer wichtigsten Gefährtinnen war die Philosophielehrerin Sylvie Le Bon, die sie kurz vor ihrem Tod adoptierte, um ihren Nachlass zu regeln.

Mehr: Die Zweitbeste - Yahoo! Nachrichten Deutschland

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Bild von Martin Fütterer

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Martin

Nachname
Fütterer

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