"Härtere Strafen - das bringt doch nichts"
Münchner Rentner fast totgeprügelt, "Scheiß Deutscher"-Angriff im Ruhrgebiet: Müssen junge ausländische Gewalttäter härter bestraft werden? Nein, sagt Kriminologe Christian Pfeiffer. Im SPIEGEL-Interview spricht er über Ursachen, extreme Rückfallquoten - und Ähnlichkeiten mit Rechtsradikalen.
Siehe auch Die Welt:
Das war "Hass auf mich und das Leben"
"Relativ gut" geht es inzwischen dem 76-jährigen Rentner, der von zwei Jugendlichen in der Münchner U-Bahn brutal zusammengeschlagen wurde. In einem Interview äußerte er sich nun das erste Mal zu dem Überfall. Den Tätern wird er nicht verzeihen können sagte der Rentner zehn Tage nach dem Vorfall.
Ministerin lehnt Erziehungscamps für jugendliche Kriminelle ab
Deutliche Absage aus dem Justizministerium: Brigitte Zypries lehnt Forderungen aus der Union nach härteren Strafen für jugendliche Kriminelle ab. Die SPD-Politikerin hält sogenannte boot camps, in denen Jugendliche erniedrigt und gedrillt werden, für nicht mit der Menschenwürde vereinbar.
Spiegel-Online 1.1.2008:
REAKTION AUF BESCHWERDEN
Junge Männer verprügeln Fahrgäste in Münchner U-Bahnhof
Wieder ein Angriff von jungen Männern in einem Münchner U-Bahnhof: Weil es Beschwerden über ihre zu laute Musik gab, griffen sie zwei Fahrgäste an. Die Opfer wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Die Täter konnten fliehen.
Nicht nur junge Ausländer prügeln (1.1.2008:
Rechtsextremismus
Afghanische Familie in Berlin verprügelt
Die Täter hätten die fünfköpfige Familie in Berlin-Lichtenberg mit Schlagstöcken attackiert und beschimpft, als sie ihr Feuerwerk auf der Straße abbrannte, sagte der Direktor beim Polizeipräsidenten, Michael Krömer, am Neujahrstag in Berlin. Die Familie rettete sich in ihre Wohnung, gefolgt von den etwa 15 Angreifern. Bevor diese flüchteten, beschädigten sie den Hauseingang und zertrümmerten eine Scheibe. Verletzt wurde niemand.
Das Umfeld des Hauses gilt als eine Hochburg von Rechtsextremen. Der Berliner Staatsschutz hat die Ermittlungen aufgenommen.
Spiegel Online 4.1.2008
Ab März erstes Erziehungscamp in Nordrhein-Westfalen
NRW macht Tempo in Sachen Jugendstrafrecht: Einem Zeitungsbericht zufolge will das Bundesland in Kürze ein Erziehungscamp für junge Kriminelle einrichten. Das erklärte Familienminister Armin Laschet.
Düsseldorf - Der Minister beendete mit dieser Klarstellung ein tagelanges Verwirrspiel in der Landesregierung um Erziehungscamps in NRW. "Wenn ein jugendlicher Intensivtäter durch harte Gewaltdelikte auffällig geworden ist, muss er zunächst einmal aus dem Verkehr gezogen werden", sagte Laschet (CDU) der "Rheinischen Post" und kündigte konkrete Pläne zur Einrichtung eines Erziehungslagers an.
Spiegel Online 5.1.2008
CDU-Spitze stimmt für schärferes Jugendstrafrecht
Der Bundesvorstand der CDU steht in der Diskussion um Jugendgewalt geschlossen hinter Hardliner Roland Koch. Bei der Vorstandsklausur in Wiesbaden stimmten alle Teilnehmer für die Forderungen des hessischen Ministerpräsidenten nach einem schärferen Jugendstrafrecht. (Es ist Wahlkampf in Hessen und Kochs Mehrheit wackelt, damit auch die Mehrheit der Union im Bundesrat, zumal noch andere Unionsgeführte Länder wackeln).
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Gerade haben der Beckstein und der Huber von der CDU es auf den Punkt gebracht: Der Staat muss Härte zeigen. Was für ein Gutmenschgelaber von dem Professor und der Zypris. Da ist mir der Koch in Hessen doch lieber. Raus mit dem Pack.
Webmaster: "Pack" ist grenzwertig. Bitte keine Beschimpfungen.
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Submitted by Gast (nicht überprüft) on 31. December 2007 - 19:59.Es ist eine interessante Entwicklung unserer Tage, dass sich "Gutmensch", also ein guter Mensch oder ein Mensch, der andere Menschen gut behandelt, negativ und herabwürdigend benutzt wird. War es vor einigen Jahren noch peinlich und entlarvend, wenn die einzige Antwort auf alle Probleme Strafverschärfung ist, so scheint heutzutage die Angst vor dem Mitmenschen so gewachsen, dass diese Forderungen salontauglich sind.
Ein Wahlkampf wie Koch ihn geführt hat, in dem auf Arbeitslosigkeit, Bildung, Rentenproblematik nicht eingegangen wird und stattdessen Einzelfälle instrumentalisiert werden, ein Wahlkampf, der Angst erzeugt und diese Angst dann ausnutzt, indem ein starker Mann verkauft wird, hat fast die Hälfte (!) der Bevölkerung angesprochen.
Was ist denn eher bedrohlich für den Bestand der BRD, die Überalterung und das Rentenproblem oder marodierende Albanerbanden? Woran stirbt man wahrscheinlicher, an Herz-Kreislauf-Erkrankung oder an einem Überfall durch Jugendlichen? Auf der anderen Seite: Wovor hat man im Alltag mehr Angst, und wieviel wird -in der Politik, in Gesetzen, in den Medien- in diese Probleme investiert, v.a. in Anbetracht ihrer Relevanz?
Und die Begründung? "Natürlich" müssen "die" härter bestraft werden. Wer soll denn sonst schuld sein an ... allem. o tempora o mores!
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Submitted by Gast (nicht überprüft) on 29. February 2008 - 19:36.