Das Kur-Kloster in Kerala

Aus Kloster St. Pius X

Derzeit bin ich der einzige Patient, hier im Kur Kloster Pius X. Nagar in Marayoor. Es ist die heißeste Jahreszeit, Mitte Mai, in zwei Woche wird die Regenzeit beginnen. Europäische Reisende meiden Indien jetzt, weil ihnen das Klima zu anstrengend ist. Für Marayoor treffen diese Bedenken aber nicht zu, was sich wohl noch nicht herum gesprochen hat. In einer Höhe von rund 1300m über dem Meer ist die Temperatur auch jetzt angenehm (24°C, gefühlte 28°C). Das Hochtal liegt zudem im Regenschatten, so dass sich die Niederschläge auch in der Regenzeit in Grenzen halten.

Das Kloster gehört zum Karmeliter-Orden in der Küstenstadt Cochin, die fünf Autostunden entfernt liegt und über deren Flughafen man anreist. Für westliche Patienten wurde es erst 2008 von Karin Drexler entdeckt, die sich auf die Vermittlung von indischen Ayurveda-Kliniken an deutsche Patienten spezialisiert hat. Karin Drexler verliebte sich in den Platz und vereinbarte mit dem Karmeliter-Orden ein Joint Venture. Der Orden betreibt bereits seit Jahrzehnten verschiedene Ayurveda-Kliniken und richtete mit dieser Erfahrung in dem abgelegenen Kloster eine weitere ein. Karin Drexler investierte in die Einrichtung der Patientenräume und konnte dabei die Bedürfnisse westlicher Patienten mehr einbringen als bei Kliniken, die sich im laufenden Betrieb befinden und in erster Linie auf indische Patienten ausgerichtet sind. Außerdem würde Karin Drexler die Patienten bringen. Ein weiteres Ziel war, die Preise unter den sonst üblichen halten zu können, um auch weniger finanzstarken Deutschen die Segnungen einer ayurvedischen Behandlung zu ermöglichen.
Die neun Einzel- und drei Doppelzimmer im 1. Stock des Westflügels sind demzufolge schlicht aber gemütlich eingerichtet. Sowohl auf westlichen Luxus als auch indischen Kitsch wurde verzichtet, welcher dem Geschmack deutscher Patienten in der Regel widerstrebt. Jedes Zimmer hat ein eigenes Bad mit warmem Wasser, wenn auch keinen eigenen Behandlungsraum. Kokosläufer bedecken die Zimmer, sowie den gesamten 1. Stock und das großzügige Wohnzimmer mit PC, Internetanschluss (auch W-Lan) und Fernseher. Die Betten sind einfach und straff, für Menschen über ein Meter achzig allerdings etwas kurz. Ein Schreibtisch und ein Schrank vervollständigen die Einrichtung der Zimmer.

Aus Kloster St. Pius X

Die Zimmer sind ausreichend groß, die Gemeinschaftsräumlichkeiten großzügig. Eine überdachte Terasse im 1. Stock dient morgens und abends dem Yoga-Unterricht - sofern man nicht das riesige Dach wählt - , tagsüber als Erholungszone nach den Behandlungen. Der Speisesaal ist eine überdachte Terasse im Erdgeschoss neben den Behandlungsräumen. Dort sind auch die Apotheke, das Konsultationszimmer und die Wohnung des Arztes sowie der große Empfangsraum, der ebenfalls als Gemeinschaftsraum dienen kann.
Anfang 2010 konnte eröffnet werden. In dem Jahr bisher war die Auslastung schwankend, hatte aber eine steigende Tendenz. Einen erfahrenen Arzt für diesen eher abgelegenen Ort zu finden erwies sich als schwierig. Ein Jahr lang wechselten sich einige Ärzte ab, dann kam Dr. David.

Aus Kloster St. Pius X

 

Aus Kloster St. Pius X

Die Stille

Karin Drexler beschreibt das Kloster als einen Ort, in dem man gut zu sich selbst kommen kann, unter anderem weil man nur wenigen Ablenkungen ausgesetzt ist. Das ist gut für Ayurveda, denn da soll man alle anderen Aktivitäten einschränken bzw. meiden. Dennoch wecken ihre Beschreibungen vielleicht falsche Erwartungen. Das Kloster Pius X. ist weder ein Exerzitienkloster (Exerzitien = Schweigen und Meditieren) westlicher Prägung noch liegt es in einem einsamen Hochtal des Himalaya. Es ist hier ruhig - für indische Verhältnisse. Ablenkungen im Sinne touristischer Attraktionen und Shoppingzonen gibt es nicht. Störungen hingegen gibt es jede Menge, wenn man dazu tendiert, die Lebensäußerungen anderer, recht lebhafter Menschen als Störungen zu empfinden.

Für indische Verhältnisse ruhig bedeutet: Wenig Straßenverkehr. Keine Lautsprecheranlagen von Tempeln, Moscheen oder Kirchen, die ihre spirituelle Botschaft mit Brachialgewalt kilometerweit und im Wettstreit verkünden. Selbst die Klostereigene Kapelle hält sich vornehm zurück und schlägt die kleine Glocke nur dreimal am Tag einige wenige Male an. Das ist auch gut so, denn die abenteuerliche Befestigung der Glocke ist nicht auf intensiven Gebrauch ausgelegt. Es gibt keine Bahnlinie in Hörweite, kein nächtliches Hundegebell in unmittelbarer Nähe, keine fliegenden Händler mit lautem Geschrei. Zu rechnen ist hingegen mit akustischen Ereignissen, die sich aus dem Klosterbetrieb und seiner landwirtschaftlichen Umgebung sowie dem öffentlichen Nahverkehr ergeben.

Um etwa fünf Uhr morgens kündigt sich der Überlandbus schon von weitem mit einer Dreiton-Fanfare an, für die jeder Italiener seine Mutter verkaufen würde. Dieses Horn ertönt etwa alle paar Hundert Meter, also zweimal pro Minute, schließlich auch unmittelbar vor dem Kloster. Es gibt hier im Kloster Risse in der Wand, deren Ursache möglicherweise nicht weit zu suchen ist. Durch das Verhalten des Busfahrers wird sichergestellt, das niemand den Bus verpasst und einmal mehr bewiesen, dass die Inder alles in allem ein friedliches Volk sind und/oder über einen gesunden Schlaf verfügen. Jedenfalls hat noch keiner den Busfahrer erschossen. Der indische Alltag beginnt ohnehin sehr früh und möglicherweise sind viele Menschen dankbar, dass sie dafür keinen Wecker stellen müssen.

Ähnlich spektakulär können die Besuche der Pilger ausfallen, die mit ihren bunten Bussen regelmäßig im Kloster einfallen. Sie kommen von einem Marienheiligtum im Nachbarbundesstaat Tamil Nadu und machen im Kloster Pius X. einen Zwischenstopp mit Übernachtung. Dabei wird fröhlich gefeiert, teilweise auch feucht. Man kann verschiedenen Beobachtungen dabei nicht ausweichen.

Der folkloristisch interessanten Tatsache zum Beispiel, dass die Inder hier auf dem Land trotz der massenhaften Verbreitung von Fernsehen und Handy noch ihrer Volkstänze und Rundgesänge mächtig sind und sich also auch bei Stromausfall ausgezeichnet unterhalten können. Das würde uns Deutschen weit schwerer fallen und das darf man als Verlust betrachten. Die Schlachtengesänge in deutschen Fußballstadien sind ein kümmerliches Echo solchen Brauchtums. Manche der indischen Rundgesänge klingen allerdings ebenfalls wie Schlachtengesänge, insbesondere, wenn sich die Männer engagieren und dazu ihre Kehlen entsprechend befeuchten.

Inder lieben Feuerwerk und Knallfrösche und bringen diese auch dann zur Explosion , wenn auf einem Balkon dreißig Meter entfernt ein Yogakurs für zartbesaitete Deutsche stattfindet. Spätestens gegen 22:30 werden die Pilger dann von der Klosterleitung ins Gebäude gebeten und man kann durchaus ruhig einschlafen. Der Speisesaal der Pilger befindet sich allerdings im Stockwerk unter den Schlafräumen der Ayurveda Patienten und wenn Pilger erst spät eintreffen, zieht sich das Geschnatter und Stühlerücken auch mal bis spät in die Nacht. Am Morgen danach kann man den sorglosen Umgang der Pilger mit dem Leergut betrachten, welches sie lässig nebst anderen Verpackungs- und Essensresten in eine Ecke des Gartens feuern, wo sich das klostereigene Geflügel um die Verwertung bemüht. Alle paar Wochen wird vom Klosterpersonal zumindest das Glas eingesammelt. Man muss einräumen, dass es hier keine Müllabfuhr gibt und sich die kleine Müllhalde in unmittelbarer Nähe der Verbrennungsstelle befindet, die bei Gebrauch rauchend zur typisch indischen Atmosphäre beiträgt.

Aus Kloster St. Pius X

Das Geflügel wiederum kann einen besonders am Morgen vergrätzen. Der eine Hahn an sich ist harmlos, wenn man erlebt hat, wie es ist, wenn rund um eine andere Klinik in zwanzig Hausgärten 40 Hähne krähen. Hier im Kloster machen vier Guinea Chicken, eine Fasananart, 40 Hähne locker wett. Alarmiert von echter oder eingebildeter Gefahr, feuern sie ein Schalldruckstakkato ab, das vor allem zwischen vier und sechs in der Frühe bei Europäern keine Freunde finden wird. Deswegen die Empfehlung: Zimmer auf der Gartenseite höflich ablehnen, auch wenn sie heller sind. Letzteres bedeutet ohnehin nur, dass sie am Nachmittag dann auch heißer sind.

Platz zwei in der Rangfolge lautstarker Tiere hat eine Spezies inne, der zumindest ich das niemals zugetraut hätte: Die Eichhörnchen. Die hiesige Abart hat zwei Längsstreifen auf dem Rücken, so dass sie Disneys A- und B-Hörnchen sehr ähnlich sieht. Possierlich jagen sich die Hörnchen gegenseitig von Kokospalme zu Mangobaum, verfallen aber gelegentlich in rhythmisches Pfeifen, dessen Lautstärke dem Alarmruf der Guinea-Chicken kaum nachsteht. Bei jedem Pfiff zuckt der Schwanz von hinten nach vorn, dabei starren sich die Hörnchen gegenseitig von Baum zu Baum ins schwarze Auge und verharren bis auf das Schwanzgezuckel regungslos. Das Krähgepfeif der Guinea Chicken flammt bei Alarm anfallsartig auf und bei Entwarnung ebenso schnell wieder ab, wenn doch keine Schlange im Garten ist. Das ohrenbetäubende Gezwitscher der Hörnchen hingegen hält minutenlang an und hat wohl keine arterhaltende Warnfunktion sondern verbreitet die gute alte Machobotschaft: Mein Schwanz ist länger als deiner und wenn du dich auf die falsche Straßenseite wagen solltest, werde ich dir kräftig auf deinen treten.

Das waren dann auch schon die wichtigsten akustischen Katastrophen. Alles andere ist einfach nur das Landleben: Kokosnüsse, die auf den Boden oder auch mal auf ein Blechdach krachen, unter dem man dann hoffentlich nicht gerade meditiert; die Wasserpumpe für die Zisterne auf dem Dach, die beachtliche Vibrationen entwickelt; der kleinwagengroße Generator im Hof, der bei den allfälligen Powercuts angeworfen wird oder auch nicht; kleinere Bauarbeiten und Erntegeräusche, schwatzende Waschfrauen, das Kehren des kiesbestreuten Hofes, tobende Kinder, meckernde Ziegen, quakende Enten, gackernde Hühner, zwitschernde Vögel, muhende Kühe, brummende Käfer, sirrende Moskitos, zirpende Grillen und kreissägende Zikaden. Von letzteren nur ein paar wenige und nicht gleich am Haus. Zum Glück: In den wilden Sandelholzwäldern einige Kilometer bergauf gibt es davon weit mehr und dort machen sie einen kreischenden Höllenlärm.

Dies aufzuzählen und theatralisch zu komprimieren hat viel Spaß gemacht. Tatsache ist: Für indische Verhältnisse ist das wirklich harmlos. All die aufgezählten Lärmquellen gibt es, aber sie wechseln sich gnädig ab und treten in der Regel nicht alle auf einmal auf. Völlige Stille gibt es freilich nie. Und das ist das Stichwort: Der Ort ist nicht still - aber ruhig. Man wird in Ruhe gelassen und findet seine Ruhe, wenn man das will. Es gibt viele Aktivitäten rund um das Haus und auf dem Anwesen, aber keine Hektik. Alles geht gelassen und beschaulich von statten. Im Übrigen gehören Ohrenstöpsel und Schlafmaske ins Reisegepäck, egal wo man hinfährt. Dann kann man sich Stille und Ruhe schaffen, ohne seinen Mitmenschen durch Intoleranz auf die Nerven zu fallen.



Gebäude und Garten

Aus Kloster St. Pius X

Das Klostergebäude besteht aus zwei Teilen: 1938 gründeten spanische Karmelitermönche das Kloster und errichteten den kleinen Bau, in dem heute die Ayurveda-Behandlungsräume, Apotheke, Arztzimmer, Apotheke und Ayurveda- Küche untergebracht sind. 1961 wurde das Hauptgebäude fertiggestellt, das damals das größte Gebäude im Idukki-Distrikt war und auch für heutige Verhältnisse beeindruckende Dimensionen hat. Der Bau erstreckt sich fast 100 Meter von Westen nach Osten und hat zwei Stockwerke, im Ostflügel sogar drei, denn hier fällt das Gelände ab und gibt Kellergeschoß mit Fenstern Raum. An den Enden des Baus befinden sich Querflügel von 45m Länge, in der Mitte tritt die Kapelle aus dem Zentrum des Hauptflügels hervor. Im Westen und Osten befindet sich im Untergeschoß jeweils eine große Küche und ein Speisesaal. Das erste Geschoß das ganzen Baus besteht aus rund 60 Zimmern für Pilger, Studenten und Personal. Die 12 Zimmer im Westflügel sind den Ayurveda-Patienten vorbehalten und von den anderen abgetrennt. Das Erdgeschoß beherbergt Büros, Bücherei und Seminarräume sowie die Zellen der Mönche.

Aus Kloster St. Pius X

Auf der Eingangsseite im Norden trennt ein großer Platz das Kloster von der Straße, auf dem gelegentlich Feste und Freiluftgottesdienste abgehalten werden. Im Süden, eingefasst von den Querflügeln, ist ein Blumengarten angelegt. Daran schließt sich ein kleiner Park an. Durch einen Hain von Kokospalmen, Mango-, Pomelo- , Jackfruit-, Eukalyptus-, Avocado und Passionsfrucht-Bäumen gelangt man an ein rechteckiges Staubecken von 50 mal 20 Metern, das von diversen Pavillons und Sitzgruppen umgeben ist und von einem kleinen Springbrunnen berieselt wird. Am gegenüberliegenden Ufer geht es rund zehn Meter die Felsen hinauf in einen weiteren Blumen- und Gemüsegarten, der an eine Bananenplantage angegrenzt. Hier beginnt die landwirtschaftliche Nutzfläche.

Gespeist wird das Becken durch einen kleinen Wasserfall aus dem Damm am westlichen Ende, hinter dem sich der eigentliche Stausee von ca. einem Hektar Fläche befindet. Am Westufer ist eine Uferpromenade angelegt, die anderen Ufer sind von Reisfeldern und Bäumen gesäumt. Eine Horde Dorfjungen badet hier quietschend und lärmend. Auch deutschen Gästen ist das Baden grundsätzlich erlaubt soweit nicht die Ayurveda-Behandlung dagegen spricht. Vorsicht ist geboten, wenn es länger nicht geregnet hat, denn im handwarmen Wasser tummeln sich dann nicht nur armlange Fische sondern auch Erreger, denen das untrainierte europäische Immunsystem möglicherweise nicht gewachsen ist. Morgens und abends wirbelt ein Schwarm Schwalben dicht über das Wasser und immer wieder spritzt es auf, wenn Schwalben sich fette Insekten von der Wasseroberfläche schnappen und dabei mit ihren Flügeln aufs Wasser schlagen. Metallisch schimmernde Kingfischer (Eisvögel), kaum mehr als handgroß, durchbrechen im Kopfsprung die meist still-spiegelnde Wasseroberfläche und tauchen mit einer Elritze im Schlund wieder auf.

Aus Kloster St. Pius X

Früher lebte hier auch einmal ein kleines Krokodil, aber dieses ist schon länger der Geschichte anheimgefallen. Auch sonst sei die Fauna in der Umgebung des Klosters harmlos, gifte Schlangen soll es laut Father Jerry hier nicht geben, so seine Auskunft auf meine Frage. Eines Abends allerdings suchte nach einem kräftigen Regenguss eine kleine Schlange die Speiseterasse auf, um sich die Füße zu trocknen oder vielleicht auch, um die Kröte unter dem Handwaschbecken zu erlegen. Die Masseure, die hier üblicherweise ihren Feierabend verbringen, stürzten mit Besen und Stöcken auf das arme Ding los, das sich unter der Tür der Apotheke in Sicherheit zu bringen suchte. Die noch lahm zuckende Trophäe wurde mir über einem Stock hängend und mit bedeutungsvoller Miene präsentiert und als sehr giftig bezeichnet. Der hinzueilende Father Jerry meinte , sooo giftig sei sie nun auch wieder nicht. Eine Recherche bei Google erbrachte keine Klarheit, da ein englischer Name der Schlange zunächst nicht aufzutreiben war. In der keralesischen Landessprache Malayalam lautet er ungefähr "Uala Wala Bii" und bedeutet soviel wie "Armbandschlange", denn in einem Abstand von einer Handspanne unterbricht ein fingerdicker weißer Ring die braunen Schuppen der knapp einen Meter langen Fußlosen. Der Yogalehrer schließlich kannte auch den englischen Namen der Schlange: Krait. Das ist zufälligerweise eine der giftigsten Schlangen der Welt, wenn auch nicht gerade durch Angriffslust bekannt. Solange man nicht auf sie tritt, sollte nichts passieren.

Aus Kloster St. Pius X

Die beiden männlichen Masseure paddeln fast jeden Nachmittag mit einem altersschwachen Kahn auf dem See herum. Der Kahn ist so leck, dass man ebenso schnell lenzen muss, wie man paddeln kann, mit einem aufgeschnittenen Kanister als Schöpfer. Spaßeshalber haben die Masseure im See ein Fischernetz deponiert, das sie regelmäßig kontrollieren und alle paar Wochen findet sich sogar ein Fisch. Gestern waren im Netz zwei große braune oder schwarze Schlangen ineinander verschlungen, die sich offensichtlich nicht grün waren. Bis Father Jerry hinzueilen konnte, war die eine verschwunden, die andere bewegungslos und ein leichtes Ziel für die Prügel der Masseure. Nun ist die Rede davon, dass doch ein oder zwei Cobras auf dem Klostergelände jagen könnten. Wer weiß, vielleicht taucht auch das Krokodil wieder aus dem Reich der Legende auf.

Für den zu Schlangenphobie neigenden Europäer: Ein paar Schlangen sprechen auf keinen Fall gegen dieses spezielle Kloster als Aufenthaltsort, denn Indien ist eine der Regionen mit der höchsten Dichte an Schlangen weltweit , insbesondere an Giftschlangen. Das Problem, so man es als solches sieht, hat man also in praktisch jeder Ayurvedaklinik, selbst in den Städten. Ein Ayurveda-Professor zeigte mir 2003 seine Schlangensammlung in seiner Klinik in Keralas Hauptstadt Trivandrum. Eine besonders unleidliche Cobra, die sein Helfer fröhlich am Schwanzende hielt, während sie zornig und ohne trennende Barierre in meine Richtung zischte und zustieß, hatten sie am Abend zuvor im ebenerdigen Nachbarraum gefunden. Es kommt in Indien auch zu vielen Unfällen mit Schlangen, aber das betrifft vor allem die maximal mit Badelatschen beschuhten Bauern, die in den Felder unbeabsichtigt dem Gelege einer Schlange zu nahe kommen können. Normalerweise meiden die Schlangen Menschen, denn wie das Beispiel der Masseure zeigt, sind Menschen für Schlangen lebensgefährlich. Solange Schlangen nicht provoziert werden, greifen sie auch nicht an und selbst dann warnen sie üblicherweise durch Zischen oder Rasseln.

Es ist weit wahrscheinlicher, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden, als eine Schlange auch nur zu Gesicht zu bekommen. Besonders sicherheitsbedachte Naturen werden nun ein Auge zum Himmel und eines zum Boden wenden und dabei ziemlich schräg aussehen.

Aus Kloster St. Pius X

Über den Autor

Bild von Martin Fütterer

Vorname
Martin

Nachname
Fütterer

Benutzeranmeldung

CAPTCHA
This question is for testing whether you are a human visitor and to prevent automated spam submissions.
Image CAPTCHA
Enter the characters shown in the image.

Newsfeeds

Inhalt abgleichen

drupal-typo3-hosting.gif

Bookmark and Share

Neueste Kommentare