Haben Männer Angst vor emanzipierten Frauen?

SPIEGEL ONLINE: Haben Männer Angst vor emanzipierten Frauen?

Kolle: Manche Männer haben noch immer nicht begriffen, dass völlige Gleichberechtigung die Grundlage für eine Beziehung ist. Wenn mir einige erzählen, sie hätten Orgasmusschwierigkeiten, wenn die Frauen sexuell fordernd sind, dann sage ich: Freut euch doch! Da haben wir immer darauf gewartet, dass die Frauen ihre Lust zeigen. Das ist ein endloser Diskurs zwischen Männern und Frauen, wir müssen uns irgendwo einpendeln. Und dieses Einpendeln nenne ich Aufklärung. Aufklärung ist ja nicht, dass ich erkläre, wie man das Ding reinsteckt. Sie besteht aus Information, Diskussion, miteinander reden. Miteinander aushandeln, was beide eigentlich wollen.

SPIEGEL ONLINE: Ist der Sex durch mehr Gleichberechtigung und größere Offenheit auch besser geworden?

Kolle: Ja. Wir haben eine viel größere Anzahl von Orgasmen bei Frauen, in Westdeutschland lag die Rate lange nur bei zehn bis 15 Prozent, in der DDR hingegen bei 54 Prozent, weil sie dort viel gleichberechtigter waren. Da müssen wir hin!

SPIEGEL ONLINE: Setzt die Pornografisierung der Gesellschaft die Menschen nicht unter enormen Leistungsdruck?

Kolle: Bei unserer großen Umfrage für den "Sexreport 2008" für ProSieben haben wir festgestellt: Männer und Frauen, die im Internet oft Pornos gucken, neigen dazu, zu denken, dass ihr Partner sie mit dem Dargestellten vergleicht. Das ist eine gefährliche Haltung. Man muss schon den ganz jungen Leuten sagen: Pornos sind Märchen für Erwachsene, die mit der Realität nichts zu tun haben.

Mehr: Sex-Aufklärer Oswalt Kolle: "Alte Menschen wollen nicht nur vanilleschaumartigen Klöppelsex!" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur

ZUR PERSON
Oswalt Kolle, geboren 1928 in Kiel, begann seine Karriere als Boulevardjournalist. Ende der sechziger Jahre wurde er mit Filmen wie "Dein Mann - das unbekannte Wesen" oder "Das Wunder der Liebe" zum Sex- Aufklärer der Deutschen. Sein Motto, das er seitem in unzähligen Artikeln, Büchern, Vorträgen und Filmen verbreitet hat, ist: "Liebe kann man nicht lernen, Sexualität sehr wohl". Inzwischen beschäftigt sich Oswalt Kolle vor allem mit Themen wie "Sexualität im Alter". 2008 ist seine Autobiografie mit dem Titel "Ich bin so frei" bei Rowohlt erschienen.

Über den Autor

Bild von Martin Fütterer

Vorname
Martin

Nachname
Fütterer

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