Warum Bobby aus Nigeria in Moskau seine Seele verlor
Bobby ist 29, er kommt aus dem nigerianischen Lagos. Er war sieben, als sein Vater, ein Autohändler, starb, die Mutter blieb mit ihm und drei weiteren Geschwistern allein. Sie hatte Mühe, die Kinder mit einem Kleiderladen durchzubringen, vor drei Jahren starb auch sie. Bobby, der Älteste, wurde daraufhin auf die Reise geschickt: Er sollte sein Glück in einem Land versuchen, in dem es so kalt ist, dass er selbst im Sommer manchmal mit einer Wattejacke herumlaufen muss. Verglichen mit Lagos, dem nach Fisch und Öl stinkenden Moloch am Südatlantik, ist Moskau aber das Paradies.
Bobby fing ein Ingenieurstudium an und brach es nach einem Jahr wieder ab. Die Geschwister in Lagos brauchten Geld, das Geld sollte er liefern, der Bruder im fernen Moskau, jener Stadt, die inzwischen zum Bonanza des Ostens geworden ist. So jedenfalls erzählt man es sich daheim in Afrika, und so kam Bobby in diesen Club.
Kapris bedeutet Laune oder Grille, was auf eine neue Spezies Moskauer Frauen zielt. Auf solche, die es zu Geld gebracht haben und die nicht mehr abhängig sind von Russlands machohaften, aber im Grunde verwöhnten und unselbständigen Männern. Die aufs alte sowjetische Rollenmodell pfeifen, dem zufolge Frauen zwar in den Weltraum fliegen, Straßen teeren und Kinder erziehen durften, im öffentlichen Leben aber die zweite Geige spielten. Die nun Gleichberechtigung wollen, wie sie ihnen die Propaganda stets versprach. Auch sexuell.
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