Interview: Möglichst oft "ja" sagen - Beziehungsforscher John Gottman

Was ist Ihre wichtigste Erkenntnis?

Es klingt banal, aber im Grunde lassen sich all meine Forschungsergebnisse mit der Metapher eines Salzstreuers beschreiben. Wenn Sie ihn nicht mit Salz auffüllen, sondern mit all den Möglichkeiten, Ja zu sagen, dann wissen Sie, was eine gute Beziehung ausmacht. "Ja, das ist eine gute Idee." "Ja, das ist ein gutes Argument. Daran habe ich noch gar nicht gedacht." "Ja, dann machen wir das, wenn du meinst, dass es wichtig ist." Streuen Sie in Ihren Gesprächen miteinander immer wieder ein Ja ein - das macht eine gute Beziehung aus.

Im Gegensatz dazu ist der Salzstreuer in angeschlagenen Beziehungen mit all den Möglichkeiten gefüllt, Nein zu sagen. In gewalttätigen Beziehungen reagieren Männer auf die Bitten ihrer Frau häufig so: "Kommt nicht infrage." "Das kannst du dir aus dem Kopf schlagen." "Du wirst mich nicht kontrollieren." Oder sie sagen einfach: "Halt den Mund." Unsere Forschungen haben gezeigt: Wenn ein Mann nicht bereit ist, die Macht mit seiner Frau zu teilen, wird sich die Ehe mit 81-prozentiger Wahrscheinlichkeit selbst zerstören.

Heißt das, in einer guten Beziehung gibt es keinen Raum für Konflikte?

Doch, natürlich. Eine konfliktfreie Beziehung ist nicht automatisch eine glückliche Beziehung, und wenn ich dazu rate, häufig Ja zu sagen, meine ich nicht, sich zu fügen. Sich einig sein ist nicht dasselbe wie sich fügen. Wenn jemand den Eindruck hat, ständig nachgeben zu müssen, wird die Beziehung niemals funktionieren. Es gibt Konflikte, die auf jeden Fall ausgetragen werden müssen, denn nachgeben bedeutet, ein Stück der eigenen Persönlichkeit aufzugeben.

Zum Interview: Beziehungsforscher Gottman: "Oft sind Chefs ziemlich einsam" - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten

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