Interview: Was ist besser - chinesische Medizin, Homöopathie oder Schulmedizin?

Er ist Chefarzt an einer deutschen Klinik für traditionelle chinesische Medizin (TCM) in Bad Kötzting, kennt aber auch Schulmedizin und Homöopathie. Selten hat einer die drei so verschiedenen Heil-Methoden so gut verglichen.

Herr Dr. Hager, lassen Sie sich selbst mit TCM behandeln?

Im Allgemeinen ja, aber es gibt auch Ausnahmen. Manchmal geht mir TCM nicht schnell genug, dann nehme ich auch allopathische Medikamente, etwa, wenn ich am nächsten Tag einen Vortrag halten muss aber erkältet bin. Aber ich lasse mich dann parallel dazu mit TCM behandeln.

Warum das?

Allopathie hilft manchmal schnell, hat aber Nebenwirkungen, ob man die jetzt bemerkt oder nicht. Die Medikamente setzen sich in den Zellzwischenwänden ab und belasten den Organismus, der Stoffwechsel wird beeinträchtigt. Ich meine beobachten zu können, dass TCM sehr erfolgreich die Stoffwechselabfallprodukte ausscheiden hilft und so Nebenwirkungen auch allopathischer Medikamente begrenzt. 

Ist TCM eine reine Erfahrungsmedizin?

Ganz und garnicht. TCM tut mehr, als nur zu beobachten: Das und das hat da und da geholfen, also wenden wir es wieder an. TCM hat ein klares System von Ursache und Wirkung, in das die Einzelphänomene einsortiert sind. Man weiß, was wann warum und in welcher Richtung wirkt und hat eine eigenen Sprache, um dieses System zu beschreiben. Insofern erfüllt TCM alle Anforderungen an Wissenschaftlichkeit: Man kann Wirkungen auch ausserhalb des Erfahrungshorizontes prognostiezieren und man kann sie reproduzieren.
 
Immer?

Keine Medizin der Welt funktioniert immer und bei jedem Menschen gleich. Aber vor der Allopathie braucht sich die TCM keinesfalls zu verstecken.

Was ist der Unterschied zwischen den verschiedenen Heilansätzen, etwa TCM, Homöopathie und Allopathie?

Stellen Sie sich vor, die Krankheit sei ein Knäuel von einer oder mehreren Schnüren, die durcheinander geraten sind. Homöopathie versucht das eine Ende zu erwischen, an dem man zieht damit der Knoten sich auflöst. Man kann sich leicht vorstellen, dass das viel Erfahrung, Präzision und Einfühlungsvermögen erfordert. In der TCM gibt es solche Puristen auch. Die versuchen mit einer einzigen Akupunkturnadel zu heilen. Im Allgemeinen jedoch zupft man an verschiedenen Seiten des Knotens herum, so dass sich dieser lockert und man schließlich die einzelnen Stränge der Krankheit erkennt und nacheinander oder parallel entwirren kann. Allopathie wiederum ist wie ein scharfes Schwert…

 … sie haut den Knoten durch und dann hat man eine Menge loser Enden, die man nicht unbedingt alle wieder aneinander bringt!

 Genau! Im Vergleich ist TCM pragmatischer als Homöopathie, man muss kein Genie sein oder jahrelang Erfahrung sammeln. Und sie hat weniger Nebenwirkungen als Schulmedizin.

 

 

Über den Autor

Bild von Martin Fütterer

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