Anatomie einer Kuckucksgeschichte – Ich bin ein Kuckuckskind! - Immo Lünzer

Mit einem mutigen Bericht wagt sich Immo Lünzer an die Öffentlichkeit: Erst spät erfuhr er, dass der Mann seiner Mutter nicht sein Vater war. Allein in Deutschland werden ca. 25-140.000 sogenannte Kuckuckskinder geboren.

Immo Lünzer in eigenen Worten: "1954 in Hessen geboren und aufgewachsen, war ich zunächst recht verträumt und verspielt. Die Schule machte mir keine allzu große Freude, ich genoss lieber den schönen Garten mit Hühnern, in dem ich viel spielen und natürliche Gartenkultur erleben durfte. Nach der fünften Klasse in der Grundschule fand ich schließlich den Weg zum Gymnasium.

Zwei Jahre zuvor – als ich neun Jahre alt und in der vierten Klasse war – war die Scheidung meiner Eltern für mich ein schwerer Schicksalsschlag. Ich blieb bei meinem Vater der bald darauf heiratete. Allerdings fand ich bei ihm nicht die Anerkennung und Liebe, die ich als Sohn brauchte und fragte mich lange Jahre, woran das wohl lag. Mit 42 Jahren nahm mich mir endlich meinen ganzen Mut und sprach meinen vermeintlichen Vater darauf an, dass ich mich von ihm nicht anerkannt fühle und woran das denn liege. Er druckste herum und machte Andeutungen. Ich hakte nach und schließlich gab er das lange gehütete Familiengeheimnis preis. Er ist nicht mein Vater.

Die Wahrheit ist immer besser als ein Familiengeheimnis!

Herausgefunden hatte er es durch einen Liebesbrief des Liebhabers, auf welchen er durch Zufall stieß. Da war ich drei Jahre alt. Meine Mutter leugnete alles und er ließ es darauf beruhen und schwieg. Meine väterlicherseitige Oma bat ihn ebenfalls darum, mich dies nie wissen zu lassen und übte Druck auf ihn aus, das auch wirklich zu unterlassen. Ich nehme an, weil es eine Schande war. Er verstarb wenige Jahrespäter und bin froh, dass er dieses Wissen nicht mit ins Grab genommen hat und dass er sich so bemühte, mich zu lieben, auch wenn es ihm nicht wirklich gelang.

Ich bin ein Kuckuckskind!

Wie ein Blitz traf mich diese Erkenntnis, die zugleich viele Fragen der letzten vierzig Jahre beantwortete, denn ich habe immer gespürt, dass irgend etwas nicht stimmt.

Auf dem Weg zur Schule - Ohne es zu wissen bin ich eines der beiden statistischen Kuckuckskinder pro Schulklasse.

Meinen leiblichen Vater konnte ich leider nur einmal treffen – kurze Zeit danach verstarb er. Er wußte auch von meiner Existenz und sammelte alle von mir veröffentlichten Artikel. Seinem Sohn sagte er auch, dass er einen Halbbruder habe ohne mich mit Namen zu nennen. Ihn fand ich später übers Internet. Alles was ich sonst noch über meinen richtigen Vater weiß, erfuhr ich von ihm. Mein Durst mehr über meine Wurzeln, meinen Vater zu erfahren ist noch heute unstillbar, und so bin ich sehr froh, dass mir mein Bruder mehr über ihn erzählen konnte. Es tut mir gut, endlich zu verstehen und zu begreifen. Dieses unbewußte Gefühl, nicht am richtigen Platz zu sein ist nun vorbei. Hier fühle ich mich nun richtig, wenn auch noch ungewohnt.

Meine Mutti hatte – nachdem sich mir mein Vati offenbart hatte – zunächst auch noch alles abgestritten und die Wahrheit erst mit Verzögerung zugegeben; aber bei der Scheidung sagte sie immer, die Geliebte meines Vaters sei an allem Schuld. Und eine Tante von mir – welche die Wahrheit kannte – erzählte mir später, dass sie meine Mutti gebeten hatte, mich wenigstens vor meiner Hochzeit über dieses Familiengeheimnis aufzuklären, aber sie wollte ihre Lebenslüge nicht aufgeben. Das alles hat mich sehr verletzt – sie starb kurz nach dem Tod meines Erzeugers; als ich 43 war.

Ich bin überzeugt, dass es ein Grundrecht für jeden gibt, zu wissen, wer seine Mutter und sein Vater sind. Unabhängig von den Interessen anderer.

Nach unterschiedlichen Schätzungen werden allein in Deutschland von 25.900 bis zu 140.000 sog. Kuckuckskinder pro Jahrgeboren. Denen soll das Gefühl am falschen Platz zu sein und das Trauma des Mutterverrats erspart bleiben. Wem soll man noch trauen, wenn nicht der eigenen Mutter? Dass Patchworkfamilien funktionieren können, sehen wir doch tagtäglich. Offenheit sorgt für Vertrauen und Vertrauen sorgt für Offenheit. Das ist die Basis einer jeden Familie und die Lüge einer der Zerstörer.Den Psychologen, die sagen, dass ‘Nichtwissen das Leben leichter machen kann’ – widerspreche ich als Betroffener wie viele andere Psychologen auch, denn ich habe über vier Jahrzehnte sehr darunter gelitten, bis ich endlich herausbekam, wer mein eigentlicher Vater ist. Ich kenne noch kein Kuckuckskind, welches nicht darunter litt.

Das alles war und ist ein ganz besonderer Schicksalsschlag, der mich natürlich auch nach den schicksalhaften Ursachen fragen ließ und ging zu Psychologen und Psychotherapeuten, die mir aber nur teilweise helfen konnten. So bin ich immer tiefer in die Materie eingetaucht und habe intensiv daran gearbeitet. Schließlich konnte mir die Rückführungstherapie helfen, die seelische Belastung zu verarbeiten.

(Immo Lünzer auf: http://kuckucksvater.wordpress.com/2011/05/30/anatomie-einer-kuckucksges...
- wo man auch mehr zu diesem Thema finden kann)

Hallo Ich habe erst mit 57

Hallo
Ich habe erst mit 57 Jahren erfahren das ich und meine 2 Geschwister nicht von dem Vater stammen, den wir Vater nannten.
Nach langen Jahren des Schweigens seitens der Mutter und dieses Geheimnis sollte ins Grab genommen werden, nachdem ich endlich der Sache auf den Grund gegangen bin, und das nur aufgrund 3x Aussagen von Personen die man damals nicht ernst genommen hat.
Als die DNA Tests jetzt bezahlbar wurden, habe ich mich entschlossen den Test zu wagen, zwischen den noch lebenden Bruder meines Erziehers und mir, (Ergebnis - NICHT VERWANDT) dann noch mal zwischen den mir schon längst bekannten vermeintlichen Halbbruder ( Ergebnis - 100% VERWANDT)
Jetzt weis ich entgültig wer mein(unserer) leiblicher Vater war, es war eben der bester Freund meines Erziehers, den kannte ich selber sehr gut, war eben oft bei uns zu Hause.
Die Mutter meint weiterhin Sie hat gut gehandelt ?!
ZachaWos

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 14. February 2012 - 0:07.
Kuckukskinder

Den Bericht von Immo finde ich sehr ergreifend, er macht mich nachdenklich. Ich habe eine fürchterliche Kindheit hinter mir. Mein leiblicher Vater hat mich geschlagen, gedemütigt und was weiß ich noch alles. Kaum war ich 19 Jahre alt, hat er mich aus meinem Elternhaus rausgeschmissen. Meine leibliche Mutter verlor ich einen Tag nach meinem 11. Geburtstag an den Krebs. Nun bin ich 49 Jahre alt und habe keinen Kontakt mehr zu diesem Menschen. Er ist es nicht wert. All die Beschimpfungen, die Behandlungen, die Häme habe ich bis heute nicht ganz verarbeiten können. Darum Immo: Ich wünschte, ich wär ein Kuckukskind! Dann hätte ich eine Chance auf eine wirkliche Familie. Es ist nicht immer gut, den leiblichen Vater zu kennen... LG Petra

Submitted by PetraZ. (nicht überprüft) on 17. November 2011 - 12:47.
Der Kuckucksfaktor

HERZLICHEN DANK an Martin Fütterer, dass er hier meine kurzgefasste Kuckuckskind-Geschichte publiziert hat.
Hoffen wir, dass es künftig immer weniger Kuckuckskinder gibt, bzw. dass sie zur rechten Zeit darüber aufgeklärt werden (und das gilt auch für all' die - zunehmenden - Samenspenderkinder).
Es war ein jahrelanger Verarbeitungsprozess, bis ich das mal so zusammenstellen und veröffentlichen konnte.

Sehr gerne bin ich natürlich auch Ansprechpartner für all' die, die irgendwie vom Kuckucksfaktor betroffen sind.

DANKE auch für euer Mitlesen und -fühlen.

Submitted by immo lünzer (nicht überprüft) on 7. July 2011 - 11:23.
Kuckuckskind

Ich habe gerade Ihren Artikel gelesen und weiß definitiv seit 2 Tagen das ich ein "Kuckuck"bin.Ja als Kind hat man"Träume"...man weiß das man wo anders hingehört,man spürt es,man hört es von fiesen Anverwanten durch miese Sprüche usw.!Es ist grausam dieses einem Kind anzutun...sehr egoistisch,nur damit der"Makel"nicht auffliegt wird sich schnell ein Mann gesucht der"Mitwisser"ist um die Frau vor"Schande"bewahren will,der Held!Dieser Mann wird dem Kuckuck später jeden Pfennig vorrechnen den er aus"Liebe"für ihn bezahlt hat.Wie krank ist unsere Gesellschaft eigentlich?

Ich verstehe warum es Ihnen so schlecht geht...ich arbeite gerade daran!So mein Lieber...es ist ein großes Geschenk für Dich von Deinem Stiefvater gewesen das er Dir die Wahrheit sagte um zu verstehen!Leider sehr spät...ich erfuhr es nur durch eine List...sonst hätten sie alle fröhlich weiter gelogen und sich selbst gefeiert!

lg. von DERSCHMERZLÄSSTLANGSAMNACH

Submitted by Gast (nicht überprüft) on 2. September 2011 - 21:14.

Über den Autor

Bild von Martin Fütterer

Vorname
Martin

Nachname
Fütterer

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