Geld anlegen in der Finanzkrise
Renditejagd: Welche Geldanlagen das größte Risiko bergen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
Die weltweite Finanzkrise hat nicht nur die Bankenwelt paralysiert. Auch die Privatanleger wissen nicht mehr, wem sie noch trauen können. SPIEGEL ONLINE hat die wichtigsten Anlageformen analysiert und beschreibt Chancen und Risiken.
Ja - und das hat der Spiegel so oberflächlich getan, dass ich hier ein paar Ergänzungen machen möchte, auch als Leserbrief.
"Sehr geehrte Damen und Herren, ich bitte auf zwei Punkte aufmerksam zu machen:
1. Gold schützt vor Totalverlust, weil es immer einen Wert als Rohstoff hat. Es unterliegt aber erheblichen Kursschwankungen und man kann gerade aktuell sehr viel damit verlieren, wenn man hoch einsteigt und bei niedrigen Kursen wieder heraus muss. Derzeit ist Gold doppelt so teuer wie vor 5 Jahren und 3-4 mal so teuer wie vor 8 Jahren. Ich würde es jetzt nicht kaufen.
2. Über Anleihen (festverzinsliche Wertpapiere) wird immer und überall sehr oberflächlich informiert. Sie zählen hier auch nur vergleichsweise sichere deutsche Staatsanleihen auf und erwähnen nur am Rande, dass auch Banken und andere Unternehmen Anleihen herausgeben. Das Risiko der Anleihe besteht nicht in erster Linie in der Kursschwankung sondern in der Zahlungsfähigkeit des Emittenten. Wenn der bei Fälligkeit nicht zahlen kann, ist alles weg. Die gegenwärtige Finanzkrise besteht zu einem wesentlichen Teil darin, dass Banken ihre untereinander und am Markt gehandelten Anleihen bei Fälligkeit nicht bezahlen können. Anleihen von sehr soliden Staaten und Unternehmen können weiterhin eine gute Anlage sein - allerdings nicht, wenn das Wirtschaftssystem zusammenbricht. Wenn die USA 700 Milliarden ins Bankensystem pumpen, haben sie die ja nicht bar, sondern müssen sie sich bei privaten und institutionellen Anlegern leihen - indem sie Anleihen herausgeben. Klappt der Rettungsplan nicht und gerät die USA in eine Rezession, dann kann sie diese Anleihen bei Fälligkeit ggf. nicht bezahlen, weil ihr die Steuereinnahmen fehlen - und vielleicht auch nicht in neue Anleihen umschulden, weil keiner den USA mehr Geld leihen will. Auch Staaten können zahlungsunfähig werden (siehe Island) und die gegenwärtige Krise hat ein Ausmaß, dass man dies nicht ausschließen kann. Die Größenordnungen die allein einzelne Banken versenkt haben, erreichen Dimensionen, die ganze Staatshaushalte ausmachen, auch in Europa und Deutschland. Ähnliches gilt für Unternehmensanleihen: Heute top-geratete Anleihen höchst solider Unternehmen können in einer Wirtschaftskrise mangels Gewinn vielleicht nicht mehr bedient werden. 30% Umsatzeinbruch in der Autobranche bedeutet: Die Gewinne sind mehr als weg.
Fazit:
Es gibt keine sichere Lösung außer dem eigenen Bauernhof und der Selbstversorgung. Werte wie Grund und Boden oder Gold sind zwar im Gegenteil zu reinen Finanzwerten immer etwas wert, weil konkret nutzbar. Aber wenn alle in die "echten" Werte flüchten, steigt ihr Marktwert in unrealistische Dimensionen, die bei Verkauf nicht mehr erzielt werden können. Wenn alle ihr Geld aus Unternehmen und Staaten abziehen, bricht die Wirtschaft zusammen und dann muss man sein Gold essen und auf seinem Grund und Boden Kartoffeln anbauen. Das Schmiermittel der Volkswirtschaften ist Kredit - zu deutsch: Vertrauen. Im eigenen Interesse müssen wir also zumindest einen Teil unseres Geldes im System lassen. Als persönliche Anlagestrategie empfiehlt sich daher wohl, was immer und überall galt: Risikostreuung und das Vermeiden offensichtlicher Dummheiten. Dazu gehört: Geld in Werten anlegen, die man nicht versteht."
Natürlich bietet der Markt auch erhebliche Chancen, denn viele ansich solide Werte werden in den nächsten Wochen und Monaten so billig sein, wie schon lange nicht mehr und so bald nicht wieder. Sein Geld auf deutschen Tagesgeldkonten flüssig halten, sich gut informieren und im richtigen Moment zuschlagen - dabei nie mehr als 10% auf eine Strategie - das könnte sich richtig lohnen. Wer sein Geld in Aktien hat, muss gefährdete Branchen wohl loswerden. Wer sein Geld in soliden Anleihen hat, deren Kurs derzeit auch in den Keller geht, der muss Nerven haben bis die Kurse sich erholen oder die Papiere fällig werden -und die Emittenten dann hoffentlich zahlen.
Einen besseren Überblick als Spiegel Online bietet Finanztest über verschiedene Anlageformen.
- Martin Fütterer's blog
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