Wenn Frauen mehr verdienen - wirds schwerer sie zu lieben...

Wenn man den Vorhersagen amerikanischer Paarpsychologen und Scheidungsanwälte glauben kann, folgen Beziehungen, in denen sie ihn beruflich überflügelt, oft demselben Muster: Je erfolgreicher die Frau wird, umso kleiner fühlt sich der Mann. Und das wirkt sich nicht eben vorteilhaft aus, schon gar nicht auf das Sexualleben.

Auch meinem Bekannten C. fiel dieser Zusammenhang bald auf. »Sex ist ein ganz schwieriges Thema«, sagt er. »Wenn der Erfolg fehlt, sinkt auch die Lust.« Und Erfolg wird relativ bemessen im Verhältnis zum Partner: Wenn sie monatlich 4000 Euro nach Hause bringt, wie soll er dann mit 1500 zufrieden sein? »Früher war mir das gar nicht bewusst«, sagt C., »aber Erfolg fördert die Libido. Wir Männer brauchen diesen Kick.«

In meinem Freundeskreis gibt es einige Frauen um die 30, die mehr verdienen als ihre Partner. Sie sind Journalistinnen, Grafikerinnen, Moderatorinnen mit einem stabilen Gehalt. Ihre Freunde arbeiten in kreativen Berufen mit schwankenden Einkünften, sie sind Musiker, Schriftsteller, Kunsthistoriker. Mein Freund ist Drehbuchautor; wenn mal ein Auftrag platzt, schrumpft auch sein Monatseinkommen. Aber auf sein Konto habe ich nicht geschaut, als wir uns kennenlernten. Ich habe mir keinen Ernährer gesucht, weil man den als Frau mit eigenem Beruf ja nicht braucht, sondern einen Mann, der so souverän ist, dass er seine Karriere nicht zwangsläufig für wichtiger erachtet als die seiner Freundin. Keiner von uns hat damit bisher ein Problem. Aber sollten wir noch immer die Ausnahme sein? Ist unser Modell langfristig zum Scheitern verurteilt? Definiert sich Männlichkeit noch immer über die Höhe des Gehaltsschecks?

Die Forschung zum Thema Rollenbilder hält wenig Tröstliches bereit. Ein Anruf in Wien beim Evolutionsbiologen Karl Grammer. Er führt seit 1987 die weltweit größte Untersuchung zur Partnerwahl durch, an der 12000 Singles beteiligt sind. Er wirkt, als finde er ein wenig beschämend, was er da beobachtet, denn seit der Steinzeit hat sich beim Paarungsverhalten des Menschen offenbar nicht viel verändert.

»Das Wahlkriterium Nummer eins«, das hat er zur Ehrenrettung der menschlichen Spezies vorzubringen, »ist, dass der Partner als nett und verständnisvoll angesehen wird.« Aber dann schlägt schon die Biologie durch. Männer, egal in welchem Alter, suchen intuitiv die Frau, die maximal fortpflanzungsfähig ist, also jung. Und gut aussehend. »Auf Intelligenz legen Männer leider keinen Wert«, sagt der Wissenschaftler. Aber auch an den Frauen scheint die Emanzipation vorbeigerauscht zu sein. Sie achten vor allem auf den Status des Mannes, er soll erfolgreicher sein und mehr verdienen als sie selbst. Und noch etwas wurde in der Studie deutlich: Paare, bei denen sie mehr verdient als er, bildeten sich kaum. »Das liegt im Promillebereich«, sagt Grammer. »Was die Erziehung und unsere Kultur da ausrichten können, ist offenbar wenig.«

Aus: http://www.zeit.de/2009/42/Sie-verdient-mehr-42?page=1

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Bild von Martin Fütterer

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