Indien-Blog 7: Matha Ayurveda Hospital - wie bei Muttern
Fünf Wochen war ich in dem kleinen Hospital, das die etwa vierzigjährige Ärztin Dr. Darly James 2005 direkt neben ihrem Privathaus in Alleppey gebaut hat. Zuvor hat Dr. Darly wie alle ayurvedischen Ärzte in Indien fünf Jahre studiert und elf Jahre in verschiedenen Ayurveda Kliniken gearbeitet, mit einem Schwerpunkt auf der Herstellung ayurvedischer Medikamente. Neben der Betreuung ihrer deutschen Patienten leitet sie im Auftrag der Provinzregierung zwei öffentliche Kliniken für Ayurveda. Maximal 10 Patienten kann sie in ihrer eigenen Klinik betreuen. Zumeist sind es Patienten aus Deutschland, die von der kleinen Agentur Globalveda hierher vermittelt werden.
In das Matha Ayurveda Hospital kommen Patienten nicht wegen Wellness sondern wegen ernsthafter gesundheitlicher Probleme, oft genug in Deutschland als unheilbar bezeichnet oder „austherapiert“. Katja litt unter chronischer Polyarthritis und hat im Laufe der letzten fünf Jahre ihre Krankheit zu 90% in den Griff bekommen. Andreas muss nach Leber- und Nierentransplantation Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken aber auch seine Gelenke schädigen. Er ist das erste Mal in Ayurvedabehandlung und hofft, wenigstens die Schmerzen in den Griff zu bekommen, was ihm nach einigen Wochen auch gelingt. Zudem erfreut er sich nach er Kur der besten Leber- und Nierenwerte überhaupt seit seiner Transplantation.
Bei Annemarie hat in Folge einer Quecksilbervergiftung vor Jahren die Bauchspeicheldrüse versagt, so dass sie viele Lebensmittel nicht mehr verdauen konnte. Die deutschen Mediziner gaben ihr Schweinenzyme, die sie mit dem Essen einnehmen sollte. Vor fünf Jahren ließ sich Annemarie das erste Mal sechs Wochen in einem Ayurveda Krankenhaus in Indien behandeln und gewann die Funktion ihrer Bauchspeicheldrüse praktisch vollständig zurück. Seither kommt sie einmal im Jahr für zwei Wochen zur Auffrischung nach Indien. Ein Spezialist in Deutschland, den sie jüngst zur Kontrolle aufsuchte, leugnete glatt, dass sie jemals ein Problem gehabt habe. Wenn ihre Bauchspeicheldrüse heute funktioniere, dann habe sie nie versagt, eine Heilung sei einfach undenkbar.
Wie Katja hat Annemarie ihre erste Kur in einem „richtigen“ indischen Ayurveda-Krankenhaus gemacht. Das ist die preisgünstigste Möglichkeit, verlangt Europäern aber ein hohes Maß an Anpassung ab. Die Disziplin ist strikt, Ausflüge werden nicht erlaubt und indische Ärzte sind befremdet, wenn sie Auskunft über ihr Tun geben sollen. Dazu kommt die meist äußerst karge Ausstattung. Der medizinischen Qualität ist das in keiner Weise abträglich, im Gegenteil leidet diese in den auf Westler spezialisierten, komfortableren Kliniken eher unter dem Freiheitsdrang der Westler. Im Ayurveda spielen Ernährung, Schlafzeiten und der Schutz vor medialen wie wetterbedingten Anstrengungen eine große Rolle. Der Aufenthalt im Freien ist auf den Schatten beschränkt, idealerweise in einem Liegestuhl ruhend. Joggen oder Sonnenbäder sind undenkbar. Lesen, Fernsehen, Musik Hören sind mindestens nicht empfohlen bis untersagt. Mahlzeiten außerhalb der Klinik sind verboten, ins Bett geht’s 21:30 und aufgestanden wird vor sechs. Das alles kriegen Westler nur in existenzieller Not hin.
Das obere Ende der Skala bilden Ayurveda Hotels wie etwa das von mir ebenfalls besuchte Oceano Cliff Resort in Varkala. Dort hat man meist nur eine Anwendung im Tag, der Nachmittag ist für gewöhnlich frei für Shoppen und Ausflüge. Das Restaurant nimmt jederzeit Bestellungen für Fruchtdrinks und Fruchtsalate entgegen, der Strand liegt vor der Haustür und man darf sogar hin. Im Meer zu baden, sonst im Ayurveda unverzeihlich, wird geduldet, wenn auch mit Warnungen. Hier kann man trotz Ayurveda-Behandlung ein richtiges Urlaubsfeeling entwickeln. Zimmer und Ambiente haben Niveau, immer gemessen an indischen Verhältnissen. Der Preis ist entsprechend hoch und trotz der kompetenten Behandlung ist das Konzept für existenzielle Erkrankungen eher weniger geeignet, einfach weil man viel zu sehr abgelenkt wird und Versuchungen ausgesetzt ist.
Das Matha Ayurveda Hospital liegt zwar auch nicht weit vom Meer, aber Baden ist nicht erlaubt. Man bekommt je nach Leiden bis zu acht verschiedene Anwendungen täglich, so dass einem oft nur ein oder zwei Stündchen bleiben, in denen man bewaffnet mit Regenschirm und Ohrstöpseln an den Strand laufen oder in die City fahren kann. Beim Essen gibt es keine Kompromisse, hingegen fällt Dr. Darly nicht in Ohnmacht, wenn man sie zur Behandlung etwas fragt. Allerdings fallen ihre Antworten dennoch knapp aus. Nicht zuletzt liegt das Matha auch preislich zwischen einem Krankenhaus und dem Luxus eines Hotels oder – was es auch noch gibt – einer komfortableren Privatklinik.
Existenzielle Erkrankungen sind hier gut aufgehoben, wenn man nicht aus finanziellen Gründen mit weniger Komfort auskommen muss. Dieser entspricht einer hausbackenen kleinen Familienpension. Das Essen kommt in Omas emaillierten Töpfen auf den Tisch (Made in Indonesia, sehen aber aus wie - na eben wie bei Oma). Sogar geraffte Troddelvorhänge sind vorhanden. Angeblich wurden sie im Hinblick auf den Geschmack der Europäer angeschafft. Vermutlich denken nun Inder wie Deutsche: So einen Geschmack haben die Inder/Deutschen also! Zum Glück sieht es bei mir zu Hause nicht so aus…
Die Lage am Rand der indischen „Kleinstadt“ Alleppey ist für indische Verhältnisse ruhig, für deutsche Ohren erst mal schockierend laut. Daran gewöhnen sich aber alle Patienten in kurzer Zeit, gegebenenfalls mit den im Hause erhältlichen Ohrenstöpseln. Eine Verbesserung des Schlafes ist einer der ersten Effekte der Kur und tritt auch unter diesen Umständen zuverlässig ein.
Landschaftlich ist um das Haus herum nicht viel los, man sieht in die umliegenden Gärten anderer Häuser oder auf die kleine Straße. Auch der Strand ist nicht unbedingt von der romantischen Sorte, erlaubt aber den Blick in die Ferne. Obwohl Alleppey 200.000 Einwohner hat, ist es kulturell betrachtet eine Kleinstadt. Man sieht kaum ein historisches Gebäude, nur rechteckige Betonkästen und hölzerne Ladenbuden. Diese Armut an Ausflugszielen ist als Umfeld für eine Ayurveda-Behandlung durchaus angemessen, wenn auch für Europäer manchmal nicht leicht zu ertragen. Sehr idyllisch sind die beiden Strandpavillons, die Dr. Darly am Ufer eines auf das Meer hinausgehenden Armes der Backwaters gebaut hat. Natürlich tobt auch hier das indische Leben in Form einer nahen Bahnlinie und neugieriger Kinder aus der Nachbarschaft. Ideal sind die Pavillons für Paare, die ganz für sich sein wollen. Als Alleinreisender wäre ich mir doch zu verloren vorgekommen, da habe ich lieber etwas Kontakt zu den anderen Patienten. Den kann man natürlich trotzdem haben, wenn man die zehn Minuten Fußweg zum Hospital auf sich nimmt.
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| Indien, Matha Ayurvedic Hospital, Alleppey |
Die Visiten finden täglich statt und werden eher noch kürzer als die erste. Eine kurze Frage nach dem Befinden und das tägliche Blutdruckmessen – das war´s. Gefragt, aufgrund welcher Informationen die Ärztin ihre Diagnose stelle und das Behandlungskonzept festlege, antwortet sie kryptisch, dass sie uns Patienten „fühle“. Was immer man davon halten mag – Dr. Darly scheint immer auf dem Laufenden und entscheidet tatsächlich täglich neu über die Behandlung und ändert unter anderem die Kräutertrünke und Ölmischungen kurzfristig ab.
Kleine Zipperlein, die einen neben der Hauptkrankheit plagen, ob bekannt oder während der Behandlung neu auftretend, soll man ruhig erwähnen, ob Kopfweh, Schnupfen, Jucken oder einen kleinen Schmerz hier oder da. Dr. Darly hat für alles eine kleine Anwendung, Pille oder Paste und das Malheur verschwindet in der Regel verblüffend schnell. Nicht allerdings, wenn Dr. Darly ein solches Malheur als Teil des Behandlungsprozesses eingeplant hat. So plagten mich am Ende der Behandlung starke Rückenschmerzen und Hautausschläge – aber Dr. Darly meint nur, sie wundere es, dass die Behandlung nicht noch weit schlimmere Symptome hervorgerufen habe. Immerhin, ein bisschen Rückenmassage und eine Salbe gegen das Jucken bekomme ich doch.
Gerne wollen Patienten wissen, was denn ihre Grundkonstitution sei, ihre Dosha-Konstellation. Auch hier enttäuscht die Ärztin (und auch andere mir bekannte indische Ärzte) das Klischee und äußert sich eher vage. die Ärztin interessiert sich Viel mehr für die Störung als für einen theoretischen Idealzustand, also welches Dosha gerade außer Rand und Band geraten ist. Die Einteilung in Typen scheint ihr recht gleichgültig zu sein.
Das Personal ist freundlich und engagiert und wenn man einen Blick ins Dienstbuch wirft oder nachfragt, dann stellt man fest, dass die Masseure und Schwestern oft monatelang keinen freien Tag hatten. Hier scheint die Regulierungswut der kommunistischen Regierung von Kerala noch nicht angekommen zu sein, die in vielen Bereichen des Handwerks und der Produktion anscheinend Gewerkschaftszwang vorschreibt. Der guten Laune des Personals tut das aber keinen Abbruch, was einen noch mehr wundert, wenn man sich die Mühe macht und gerade die Frauen über ihren Alltag befragt. Der beginnt meist 4:30 und endet nach 10 Stunden Arbeit, teilweise langen Arbeitswegen und voller Familienarbeit etwa um 23:00. Da drückt man gerne ein Auge zu, wenn sich die Schwestern und Masseure auch mal in eine dunkle Ecke zurückziehen um ein Nickerchen zu halten. Leisten können sie sich das aber auch nur, wenn das Haus nicht voll belegt ist.
Unter diesem Gesichtspunkt ist auch verständlich, dass nicht alles hundertprozentig zuverlässig klappt. Wenn man beobachtet hat, dass man nach einer Behandlung ein Medikament bekommt und bekommt es einen Tag nicht, dann sollte man nachfragen. Das kann schon mal vergessen worden sein.
Große Englisch-Kenntnisse darf man nicht erwarten. Es reicht für die Abwicklung des Kuralltags, schon ein wenig Konversation wird oft schwierig. Trotzdem entwickelt sich schnell ein sehr persönliches Verhältnis und auch mit Händen und Füßen kann man eine Menge mitteilen.
Das Essen wird nicht darauf abgestimmt, was die anwesenden Dosha-Typen brauchen, denn deren Klassifizierung wird ohnehin nicht so wichtig genommen. Hingegen orientiert sich der Speiseplan daran, was einzelne Patienten wegen ihrer Erkrankung meiden sollten. Bei einer ungünstigen Kombination von Kranken kann das einen für alle sehr eintönigen Speiseplan ergeben. Die Küche mutet allen die gleichen Entbehrungen zu, damit kein Patient das Gefühl hat, er müsse besonders leiden. Wenn man aber Lust auf einen Schwarztee oder einen Keks am Nachmittag oder eine bestimmte Obstsorte hat, darf man ruhig fragen. Wenn die Ärztin es erlaubt, bekommt man dann vielleicht ein Extra aufs Zimmer, so dass sich andere nicht daran stören.
Zubereitet wird das Essen in einer Art Feldküche im Garten. Der Schuppen, dessen Fensteröffnungen nur vergittert aber nicht verglast sind, dient nicht nur der Essenszubereitung, sondern auch der Zubereitung von Medikamenten. Deutsche Hygienemaßstäbe darf man da ebenso wenig anlegen, wie bei der Beobachtung der Aktivitäten der Putzfrau oder beim Blick in den Verschlag, in dem die PflegerInnen sich umziehen, Medikamente bevorraten oder auch mal eben mit einem Haushaltsmixer anrühren. Gefahr besteht zu keiner Zeit. Ayurveda funktioniert eben auch auf gestampften Lehmböden und bei Wassermangel und bedarf keiner sterilen Umgebung. Das ist einer ihrer großen Vorteile. Man kann annehmen, dass die Jahrtausende alte Erfahrung in tropischem Klima zu einer Hygienestrategie geführt hat, die vielleicht besser funktioniert als das westliche Prinzip, alle Keime einfach zu töten.
Das westliche Prinzip führt zu Resistenzen und nahezu unbesiegbaren Superkeimen, Ayurveda eher zu einer friedlichen Koexistenz mit den Kleinstlebewesen dieser Natur, von denen ja nur ein kleiner Teil schädlich und ein ganz erheblicher Teil sehr nützlich bzw. lebensnotwendig ist. Die ayurvedische Lebensweise scheint hier eine sinnvolle Selektion zu bewirken, was man z.b. daran erkennen kann, dass man selbst jeglichen schlechten Körpergeruch verliert, obwohl man vielleicht wochenlang nicht duscht und auch nicht gewaschen wird. Anscheinend entwickelt man eine höchst sinnvolle Hautflora. Man wird in Kerala auch kaum einen stinkenden Inder finden, obwohl viele täglich nur ein paar Becher Wasser zum Waschen haben.
Wie sich die Behandlungen anfühlen, habe ich in einem anderen Beitrag ausführlich geschildert. In Interview mit Dr. Darly James gibt es hier.
Ergänzung 24.3. 2009:
Kommunikation mit Dr. Darly James
1. Der Ayurveda Patient soll nicht soviel grübeln. Bei vielen Patienten gerade aus dem Westen ist eine zu sorgenvolle grüblerische Haltung ein Teil des Problems und davon zu lassen, Teil der Therapie. Dr. Darly James hat beobachtet, dass westliche Patienten oft auf Erklärungen und Antworten damit reagieren, sich noch mehr Gedanken zu machen. Sie wünscht sich und noch mehr Ihnen, dass Sie lernen, Ihre Krankheit ebenso wie die Therapie einfach geschehen zu lassen und sich und Ihrem Geist eine Ruhepause zu gönnen. Selbstverständlich sollen Sie Beschwerden und Veränderungen beobachten und im Rahmen der Visite oder auch akut berichten, aber es tut Ihnen gut, wenn Sie über das Warum und Wozu der Behandlung nicht zu viel nachdenken.
2. Dieser beruhigende Effekt wird leider bei einigen Patienten durch Dr. Darly James Haltung gerade nicht erzielt, sie fühlen sich eher verunsichert in der unbekannten Umgebung und der ungewohnten Therapie und bräuchten mehr Orientierung und Sicherheit. Leider ist Dr. Darly nur begrenzt in der Lage, dann auf den Patienten einzugehen. Das liegt an kulturellen Unterschieden, dem traditionellen indischen Arzt-Patienten-Verhältnis und auch ein bisschen an der Person. Aber Dr. Darly James ist damit nicht alleine. Sie werden selten indischen Ärzte finden, die in dieser Hinsicht ihre westlichen Patienten voll zufrieden stellen können, am ehesten sind es die, die längere Zeit im Westen gelebt haben. Es wird aber auch umgekehrt ein Schuh daraus: Westlichen Patienten fällt es oft schwer, die indischen Haltung zu Ayurveda nachzuvollziehen und sich wirklich darauf einzulassen. Wir kommen eben doch aus verschiedenen Welten. Bitte betrachten Sie es als positive Herausforderung, sich auf eine fremde Kultur einzustellen und auch in unbekannter Umgebung ein Vertrauen in sich und die Welt zu entwickeln, dass alles gut gehen wird und sie auch unter fremd(artig)en Menschen in guten Händen sind.
Wer sich in eine unbekannte Kultur aufmacht und gerade auch, wer sich wegen einer Krankheit in eine fremde Welt begibt, der wird sich vorher informieren und das, was er dann erlebt auch an diesen Informationen messen. Ein typisches Gesprächsthema unter den westlichen Patienten sind dann die Abweichungen und Defizite, die die Behandlung im Vergleich zu dem aufweist, was sie in Büchern gelesen und von anderen gehört haben. Das kann zu gegenseitiger Beunruhigung und schlechter Stimmung in der Klinik bis zu Konflikten mit den Ärzten führen, die sich in Ihrer Kompetenz in Frage gestellt sehen oder überhaupt nicht begreifen, was die Patienten für ein Problem haben. Von indischen Patienten sind sie eine solche Haltung nicht gewohnt und nicht zuletzt die Sprachbarrieren machen es fast unmöglich, sich in solchen Punkten befriedigend zu verständigen.
1. Westliche Bücher über Ayurveda sind höchst selten von in Indien ausgebildeten Ärzten verfasst (5 Jahre Universitätsstudium plus 2 Jahre Assistenzarzt), geschweige dennn von Dozenten und Ausbildern. Selbst wenn sie einigermaßen zutreffend sind, sind sie allgemein und geben nicht die Vielfalt der Möglichkeiten und Stile und schon gar nicht die Bandbreite individueller Behandlungsweisen für individuelle Patienten wieder. Bitte trauen Sie weder sich noch anderen Patienten zu, aufgrund solcher Informationen zu beurteilen, ob Ihre Behandlung in Ordnung ist oder nicht. Indische Ärzte werden teilweise noch nicht einmal verstehen, von was Sie reden, wenn Sie die Begrifflichkeiten aus solchen Büchern verwenden – so weit sind diese oft von der in Indien üblichen Praxis entfernt.
2. Zu den häufigsten Enttäuschungen gehört, dass indische Ärzte der Feststellung des Dosha-Types bei weitem nicht die Bedeutung beizumessen scheinen, die sie in westlichen Ayurveda-Ratgebern hat. Wichtiger als eine theoretische Grundkonstitution ist den Ärzten, festzustellen, welche Doshas an welchen Organen und Systemen aus dem Gleichgewicht geraten sind und diese zu dämpfen oder zu erhöhen. Es hat auch den Anschein, dass die Dosha-Konstitution nicht so unveränderlich ist, wie in Bücher steht und sich im Laufe des Lebens ändern kann.
3. Eine weitere Enttäuschung ist, wenn Patienten keine Puls- oder Irisdiagnose bekommen, deren Bedeutung in Büchern ebenfalls überbetont scheint. Dr. Darly sagt zur Pulsdiagnose, das sei ein Instrument „für Hotelayurveda“ und meint das vielleicht nicht mal abwertend. Nach ihrer Auffassung ist die Pulsdiagnose geeignet, einen momentanen Zustand festzustellen, was bei einem kurzen Wellnessaufenthalt Sinn macht, jedoch nicht, um eine tiefgehende langfristige Störung zu diagnostizieren und zu behandeln. Dr. Darly James beobachtet Sie sehr genau, auch wenn Sie das Gefühl haben, Sie schenkt Ihnen zu wenig Zeit und stellt zu wenig Fragen.
4. Bitte bedenken Sie, dass vieles, was im Westen unter Ayurveda läuft, nicht nur hinsichtlich der Kompetenz nicht an Indien heranreicht, sondern vielfach eine reine Erfindung von Marketingfachleuten ist. Bestes Beispiel: Die beliebten Ayurveda-Tees von Golden Temple und inzwischen vielen Nachahmern. Obwohl Inder an der Zusammenstellung der Gewürz- und Teemischungen beteiligt sind, sind das alles Neuerfindungen und Sie werden im Kernland des Ayurveda, in Kerala, in den Läden und Kliniken keine vergleichbaren Ayurveda-Tees finden. Eine entsprechende Nachfrage beim Klinikpersonal wird hilfloses Kopfschütteln hervorbringen. Man weiß schlicht nicht, was Sie meinen könnten.
Mit der Panchakarma-Kur in Indien hat Ihre Behandlung nur begonnen, die Heilungs- Regenerations- und Umbauprozesse dauern jedoch viel länger. Zur Unterstützung werden üblicherweise auch Medikamente noch drei bis sechs Monate nach der Kur verabreicht. Während Ihr Körper damit beschäftigt ist, ein neues, gesünderes Gleichgewicht zu finden, ist er möglicherweise anfälliger gegenüber Anstrengungen körperlicher und geistiger Art und auch Ihre Leistungsfähigkeit herabgesetzt. Es kann auch noch zu heftigen Reaktionen des Organismus kommen, die mit der noch immer laufenden Entgiftung zusammenhängen. In seltenen Fällen gibt es starke Probleme mit der Haut, häufiger sind leichte bis starke Müdigkeit, Anfälligkeit gegenüber Infekten, gelegentliches Unwohlsein, schwierige Verdauung, etc. Diese Reaktionen können umso stärker ausfallen, je weniger sie die Empfehlungen der Ärztin hinsichtlich Ernährung; Lebenseinstellung und Lebensweise umsetzen (können) und sich zu sehr anstrengen. Nach den Vorstellungen des Ayurveda ist darin die Ursache Ihrer Krankheit zu sehen – und wenn Sie nichts ändern, werden Sie nicht (so schnell) gesund werden und es gegebenenfalls auch nicht lange bleiben. Die Schulmedizin funktioniert ein ganzes Stück nach dem Muster: Lieber Arzt, gib mir eine Pille und mach die Störung weg, damit ich mein Leben nicht ändern muss. Hier, bei Ihrer Ayurveda-Kur sollten Sie die Chance ergreifen, zu einer echten Heilung zu kommen – und dabei ist Ihre Mitwirkung und Veränderungsbereitschaft der entscheidende Teil.
Sollten Sie in eine unangenehme Situation kommen, zögern Sie nicht, schulmedizinische Behandlung für die akuten Probleme in Anspruch zu nehmen, ggf. nach Rücksprache mit Dr. Darly James. Ihre ayurvedischen Medikamente nehmen Sie einfach weiter.
Da nur wenige Menschen es sich leisten können, solange nicht zu arbeiten, sollten Sie zumindest nicht gleich nach der Ankunft in Ihrem Heimatland damit beginnen und sich für einige Wochen keine anstrengenden Projekte zumuten, sondern es ruhig angehen lassen. Wenn Sie auf Gelenkprobleme behandelt wurden, gönnen Sie Ihrem Körper auch noch einige Wochen Ruhe selbst vor einfachem Joggen. Entdecken Sie den gemütlichen Spaziergang und vergessen Sie Ihre Leistungsorientierung für eine Weile!
Gerade bei langjährigen chronischen Leiden kann es sein, dass Sie zwar unmittelbar bei der Kur und in den Wochen danach schon echte Verbesserungen spüren, der eigentliche Energieschub jedoch auch während der Schonzeit noch nicht kommt. Lassen Sie sich Zeit, es kann drei bis sechs Monate dauern!
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