Zum Film "Gegenüber": Häusliche Gewalt von Frauen gegenüber Männern
GEGENÜBER ist eine packende Geschichte über den schmalen Grat zwischen Normalität und Hölle in der Ehe. In seinem Spielfilm-Debüt zeichnet Regisseur Jan Bonny in intimen und beklemmenden Bildern das spannungsgeladene Portrait einer unheilvollen Beziehung.
Der stets besonnene Streifenpolizist Georg (Matthias Brandt) wird von seinen Kollegen geschätzt und um seine harmonische Ehe mit der attraktiven Grundschullehrerin Anne (Victoria Trauttmansdorff) beneidet. Vor allem sein jüngerer Partner Michael (Wotan Wilke Möhring) ahnt nichts von den Konflikten, die das Leben des Paares seit Jahren bestimmen. Doch die glückliche Fassade bekommt allmählich Risse, und die Spannungen dringen nach außen: Annes verzweifelter Kampf um Anerkennung, Georgs Bemühen, es allen recht zu machen, die Hilflosigkeit der erwachsenen Kinder - und die Spuren körperlicher Gewalt, die sich kaum noch verbergen lassen...
Kritik von Claudia Schreiber, Journalistinn und Buchautorin:
Mir ist ein Mann ans Herz gewachsen, den es gar nicht gibt. Jeden gotterbärmlich neuen Tag verwöhnt er seine Frau mit Blumen, zärtlichen Worten, Verständnis, Unterwürfigkeit. Doch er wird von ihr gedemütigt, geschändet und brutal geschlagen. Es ist ein brillanter und furchtbarer Film, von dem ich erzähle, er startet heute: Gegenüber. Der Mann, gespielt von Matthias Brandt, verkriecht sich zum Heulen hinter einer Spielkonsole – einer der wenigen Plätze, wo wir Frauen die Männer noch in Ruhe lassen.
Wie geht es den Jungen und Männern im Land? Ich bin eine Frau, ich genieße alle Privilegien, die mir die Frauenbewegung ermöglicht hat. Ich habe zwei Söhne großgezogen und finde es natürlich gut, dass es Mädchenförderung, Mädchengruppe, Girls Day und all das gibt. Die Bundesregierung hat erneut eine Aktion gegen Gewalt gegen Frauen gestartet , das ist sehr gut. Und? Jetzt wende ich mich wieder diesem Mann zu: Er traut sich nicht mal, von seinem Leid zu sprechen. Als er es endlich tut, wenden sich seine Kollegen von ihm ab.
Unsere Gesellschaft tabuisiert die Unterdrückung der Männer und vernachlässigt die Entwicklung von Jungen. Weshalb werden sie nicht in gleicher Weise gefördert und unterstützt wie Mädchen? Wer geht auf ihre Art zu lernen und zu leben ein? Weshalb werden sie, wenn sie mal ordentlich brüllen, rülpsen oder raufen, von immer derselben muffigen Dame auseinandergetrieben, in Handarbeitsgruppen geschickt oder zum »Sprechen« oder in die Leseecke? Wir Frauen haben uns in den letzten Jahrzehnten emanzipiert, die Männer nicht. Es wird Zeit.
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